Hyperurikämie
Noch vor wenigen
Generationen war die
Ohne Harnsäure keine
Die Harnsäure ist ein Abbauprodukt des Purinstoffwechsels. Die Löslichkeitsgrenze für Harnsäure bei 37° C (Körpertemperatur) liegt bei 6,5 mg/dl. Daher ist dies der Grenzwert, der nicht überschritten werden sollte. Bei höheren Werten besteht die Gefahr, dass die Harnsäure als Kristall im Gewebe ausfällt, was dann einen der gefürchteten Gichtanfälle auslöst. Nach einer Untersuchung an Blutspendern (das sind in der Regel ja eher gesunde Menschen) wiesen etwa 3 % der Frauen, aber knapp 30 % der Männer Werte oberhalb dieser Grenze auf, hatten also eine Hyperurikämie (erhöhte Harnsäure im Blut) mit der Gefahr eines Gichtanfalles. Ein solcher tritt aber meist erst bei höheren Werten (z.B. über 10 mg/dl) auf.
Ursachen der
Es gibt ganz seltene Formen der so genannten primären Hyperurikämie, bei der aufgrund eines angeborenen Stoffwechseldefektes vermehrt Harnsäure im Stoffwechsel entsteht. Etwas häufiger sind schon
Hyperurikämie n durch andere Erkrankungen oder durch
Die wichtigsten
Die häufigste Ursache für eine Hyperurikämie ist allerdings die Lebensweise. Die wichtigsten Risikofaktoren für erhöhte Harnsäurewerte sind: · Purinreiche Ernährung · Zu geringe Trinkmenge · Fruktosehaltige Getränke · Bewegungsmangel Symptomatik – Woran kann ich eine Hyperurikämie erkennen? Genau das ist das Problem: Harnsäure selbst tut (zunächst erstmal) nicht weh. Der Arzt entdeckt die Hyperurikämie oft erstmals im Rahmen einer Routineblutuntersuchung. Erst wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und massiv erhöhte Werte zu einem Gichtanfall geführt haben, dann ist das Geschrei groß. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Gichtanfall schmerzt nämlich richtig. Prinzipiell können alle Gelenke betroffen sein. Am gefährdetsten für einen Gichtanfall ist aber das Großzehengrundgelenk. Wenn dieses Gelenk plötzlich stark schmerzt, rot und heiß ist, dann können die mikroskopisch kleinen, aber nadelspitzen Harnsäurekristalle für die akute Gelenkentzündung verantwortlich sein.
Eine andauernde starke Erhöhung der Harnsäure kann auch zu Ablagerungen in anderen Geweben als den Gelenken führen. Diese so genannten Gichttophi sind besonders häufig am Ohr zu finden.
Der akute Gichtanfall beginnt meist am Großzehengrundgelenk Und schließlich kann eine anhaltend hohe Harnsäure, die ja über die Niere „entsorgt“ werden muss, zu Nierenschädigungen und Harnsäurenierensteinen führen. Wenn sich ein solcher Stein aus dem Nierenbecken in den Harnleiter verlagert und dort stecken bleibt, dann kommt es zu einer Nierenkolik, die dann wiederum richtig wehtut. Therapie – Was macht der Arzt, was sollte der Patient tun? Der akute Gichtanfall muss
antientzündlich behandelt werden. Hier setzt der Arzt
Die chronische Hyperurikämie wird schulmedizinisch mit harnsäuresenkenden Präparaten wie Allopurinol, Benzbromaron oder Probenecid behandelt. In der Regel wird eine solche Therapie bei einer Harnsäure ab 8,5 mg/dl begonnen. Ab 10 mg/dl sollte auf jeden Fall behandelt werden. Bei bereits stattgehabten Gichtanfällen kann auch schon bei einem Wert über 6,5 mg/dl die Medikamentengabe indiziert sein. Schöner wäre es natürlich,
wenn wir es gar nicht erst zu überhöhten Werten oder gar einem Gichtanfall
kommen lassen würden. Auch leicht erhöhte Werte lassen sich völlig ohne
Da Purine die Vorstufe der Harnsäure darstellen, können wir mit einer purinarmen Kost eine Senkung der Harnsäure bewirken. Die Tabelle führt den Puringehalt einiger wichtiger Lebensmittel auf. Purinreiche Lebensmittel sollten gemieden, purinarme sollen bevorzugt werden. Generell sind alle Fische, Fleisch- und Wurstwaren sehr purinreich, wobei Innereien die Hitliste anführen. In einer 12 Jahre dauernden großen Studie konnte gezeigt werden, dass bei hohem Fleisch- oder Fischkonsum das Risiko für einen Gichtanfall um 40 bis 50 % ansteigt (*1).
Auch Fett in der Nahrung
sollte der Patient mit Hyperurikämie beachten. Eine fettreiche Kost führt zur
Bildung von Ketonen, welche wiederum die Harnsäureausscheidung in der Niere
behindern. Der Harn sollte nicht zu sauer sein. Je alkalischer (also je weniger
sauer) der Harn ist, desto mehr Harnsäure kann ausgeschieden werden. Entsäuernde
Maßnahmen über eine basenbildende Kost und ggf. auch alkalisierende
Nährstoffpräparate sind also hilfreich bei Hyperurikämie und zur Gichtvorbeugung
Neben der
Die Untersuchung zeigte
darüber hinaus, dass nicht nur hohes Körpergewicht
Allerdings müssen wir auch
den umgekehrten Fall berücksichtigen. Eine sehr schnelle Gewichtsabnahme (z.B.
durch eine Crash-Diät, aber auch durch
In den letzten Jahren ist ja
fast nur noch vom gesundheitlichen Nutzen des
Trinken senkt die Harnsäure Reichliche
Flüssigkeitszufuhr verdünnt den Harnsäuregehalt und hilft über eine vermehrte
Flüssigkeitsausscheidung auch die Harnsäureausscheidung über die Niere. Menschen
mit Hyperurikämie sollten daher viel trinken – mindestens zwei Liter, besser
mehr.
Ein Trost für die
„Kaffeetanten“. Die Zufuhr von Kaffee hat sich zur Senkung der Harnsäure als
nützlich erwiesen. Je mehr Kaffee getrunken wurde, desto stärker war die
Reduktion ausgeprägt. Die Koffeinzufuhr spielt dabei offensichtlich keine Rolle,
da es keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem zugeführten Gesamtkoffein
und der Harnsäure gab. Auch Teezufuhr führte nicht zu einer Harnsäuresenkung
(*4). Kaffee ist also nützlich bei erhöhter Harnsäure – die „Gegenanzeigen“ von
Kaffee bei
…nicht aber das Trinken von Softdrinks Der Konsum von so genannten
Softdrinks wie Cola, Fanta, Sprite etc. ist in Industrienationen sehr hoch und
steigt noch an, da Kinder von klein auf große Mengen verzehren. Ein hoher Konsum
solcher Getränke fördert aber die Entstehung von Hyperurikämie. Ein Verzehr von mehr als
zwei Drinks pro Tag führt fast zu einer Verdoppelung des Risikos für einen
Gichtanfall im Vergleich zum Trinken von weniger als einem Drink pro Tag. Dass
es dabei hauptsächlich um die Fruktose und nicht um andere Bestandteile dieser
Fruchtsaftgetränke ging, zeigt die Tatsache, dass Diätgetränke (mit Süßstoffen
anstelle von zusätzlicher Fruktose) nicht zu einem Anstieg des Risikos führten
(*5).
Sport schützt vor
Dass regelmäßiges
Ausdauertraining den Blutdruck senkt, das
Eine hohe Zufuhr von
Fazit Wir sehen also:
Also: Werden Sie nicht (harn)sauer, sondern schützen Sie Ihre Gelenke. Wie das ganz einfach geht, wissen Sie jetzt. Viel Erfolg für Ihre Gelenke wünscht Ihnen Ihr Dr. Volker
Schmiedel
Literaturhinweise: (*1) Choi, HK et al.: Purine-rich foods, dairy and protein intake, and the risk of gout in men. N Engl J Med, 2004, 1093-1103 (*2) Choi, HK et al.: Obesity, weight change, hypertension, diuretic use and risk of gout in men: the health professionals follow-up study. Arch Intern Med, 2005, 742-748 (*3) Choi, HK et al.: Alcohol intake and risk of incident gout in men: a prospective study. Lancet, 2004, 1277-81 (*4) Choi, HK et al.: Coffee, tea, and caffeine and serum uric acid level: the third national health and nutrition examination survey. Arthritis Rheum, 2007, 816-821 (*5) Choi, HK et al.: Soft drinks, fructose consumption, and the risk of put in men: prospective cohort sudy. BMJ, 2008, 309-312 (*6) Williams, PT.: Effects of diet, physical activity and performance, and body weight on incident gout in ostensibly healthy, vigorously active men. Am J Clin Nutr, 2008, 1480-1487 (*7) Gao, X et al.: Vitamin C Intake and Serum Uric Acid Concentration in Men. J Rheumatol, 2008, im Druck Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
Alle notwendigen Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
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Die
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